Industrie an der Limmat

Die Webermühle in Neuenhof blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die bis ins 19. Jahrhundert reicht.

1865 erhielt Johann Wild, Gründer der Spinnerei Wettingen, eine Konzession zur Nutzung der Wasserkraft auf der linken Limmatseite. In der Folge entstanden dort eine Weberei und eine Spinnerei, die das Industrieareal Damsau prägten. 1901 errichtete Henry Zweifel, Nachfolger von Johann Wild, oberhalb des Areals die repräsentative Jugendstilvilla Ermitage.

Vom Areal zum Wohnquartier

1970 musste die Weberei ihren Betrieb einstellen. Noch im selben Jahr übernahm die Zürcher Generalbauunternehmung Ernst Göhner AG das rund sechs Hektar grosse Areal mit 25 Gebäuden. Ziel war die Umgestaltung des Perimeters zu einem modernen Wohnquartier.

Zwischen 1974 und 1981 entstand die Grosssiedlung Webermühle mit insgesamt 368 Wohnungen für etwa 1'500 Bewohner*innen und Bewohner. Der Entwurf stammt vom Architekten Toni Marti. Die Siedlung besteht aus vier Hochhauszeilen unterschiedlicher Länge, die kreuzförmig zueinander angeordnet sind. Die Scheibenhochhäuser sind zwischen 30 und 150 Meter lang und erreichen eine maximale Höhe von 13 Geschossen. Um das gewaltige Volumen zu brechen, sind sie in der Vertikalen wie auch in der Tiefe gestaffelt. Am Kreuzungspunkt sind die Zeilen lediglich sechs Geschosse hoch. Hier befindet sich die sogenannte Arena, der wichtigste Begegnungsort und das Herzstück der Grosssiedlung. Der kreisförmig gestaltete Platz wird durch zehn markante Entlüftungsrohre aus rostigem Stahl akzentuiert, die auf die weitläufigen Untergeschosse der Überbauung hinweisen.

Bauweise und Erneuerung

Die Bauweise erfolgte im Elementbausystem mit vorfabrizierten Betonelementen. Ein Farbkonzept sah ursprünglich ein Puzzle aus Kuben in verschiedenen Beige- und Orangefarbtönen vor. Seit 2012 sind die Fassaden grau-weiss gestaltet und in Felder geteilt, die mit einem Rillenputz eine feine Gliederung erhalten.

1982 wurde ein Kindergarten mit integriertem Hort errichtet. Das Bauvolumen besteht aus einer feingliedrigen Sichtbetonfassade aus Ortbeton, während die Wohnzeilen im Baukastenprinzip errichtet wurden.

Seit 2008 befindet sich die Webermühle im Besitz eines Immobilienfonds der Credit Suisse, heute UBS. 2012 begann eine umfassende Renovation des gesamten Areals, bei der insbesondere Badezimmer, Küchen, Wärmedämmung und Schallschutz modernisiert wurden.

Der Name Webermühle

Die flügelradartige Anordnung der Wohnblöcke erinnert an die ehemalige Weberei und gab dem Quartier seinen Namen: Webermühle.